{"id":140,"date":"2018-07-26T08:08:24","date_gmt":"2018-07-26T06:08:24","guid":{"rendered":"http:\/\/zl4you.de\/?page_id=140"},"modified":"2026-09-08T09:48:50","modified_gmt":"2026-09-08T07:48:50","slug":"hoppeditz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zugleitung-duesseldorf.de\/index.php\/hoppeditz\/","title":{"rendered":"Hoppeditz D\u00fcsseldorf: Erwachen und Brauchtum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hoppeditz-Erwachen:<\/strong> Der D\u00fcsseldorfer Hoppeditz erwacht traditionell am 11. November um 11:11 Uhr vor dem Rathaus. Damit beginnt die neue Karnevalssession.<\/p>\n<p class=\"zl-lead\">Der Hoppeditz ist die fiktive Figur des D\u00fcsseldorfer Karnevals \u2013 ein Erzschelm, der mit scharfem Blick, Humor und klaren Worten den Beginn der Session markiert.<\/p>\n<h2>Wenn der Hoppeditz erwacht<\/h2>\n<p>Am Martinstag, dem 11. November, wird der Hoppeditz allj\u00e4hrlich um 11:11 Uhr zum Leben erweckt. Ein renommierter Karnevalist verk\u00f6rpert ihn und steigt aus seinem Senftopf vor dem Reiterstandbild des Kurf\u00fcrsten Jan Wellem. In seiner Er\u00f6ffnungsrede nimmt er die neue Karnevalssession aufs Korn und spart dabei nicht mit deutlichen Worten. Vom Rathausbalkon antwortet der jeweilige Oberb\u00fcrgermeister.<\/p>\n<p>Auch in vielen St\u00e4dten des Ruhrgebiets beginnen die ersten Veranstaltungen der Jecken am 11. November oder wenige Tage sp\u00e4ter. In K\u00f6ln versammeln sich die Narren auf dem Alten Markt und begr\u00fc\u00dfen die Session um 11:11 Uhr mit Musik und ausgelassener Feier.<\/p>\n<h2>Der 11. November und die Fastenzeit<\/h2>\n<p>Der Tag, der heute als Startschuss f\u00fcr die f\u00fcnfte Jahreszeit gilt, wurde erst im 20. Jahrhundert zu einem Fest f\u00fcr alle Narren. Die christliche Tradition kannte urspr\u00fcnglich zwei Fastenzeiten: die bis heute bedeutsame Fastenzeit vor Ostern und eine weitere, vierzigt\u00e4gige Zeit vor Weihnachten. Sie begann nach dem 11. November.<\/p>\n<p>Bevor viele Speisen nicht mehr erlaubt waren, wurde noch einmal ausgiebig geschlemmt. Das erkl\u00e4rt auch den Brauch, am Martinstag Gans zu essen. Danach war Fleischkonsum untersagt \u2013 darauf weist bis heute das Wort Karneval hin. Der Begriff wird h\u00e4ufig vom lateinischen \u201eCarne levare\u201c abgeleitet, also \u201eFleisch wegnehmen\u201c. Weil auch auf gr\u00f6\u00dfere Mengen Fett verzichtet werden sollte, geh\u00f6rte Fettgebackenes wie Schmalzgeb\u00e4ck zu den Speisen dieses Tages.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Fastenzeit waren Feiern und Tanzen tabu. Umso gr\u00f6\u00dfer war der Anlass, vor dem beginnenden Trauermonat November noch einmal ein Fest zu feiern. Im Mittelalter markierte der 11. November au\u00dferdem das Ende des b\u00e4uerlichen Jahres: Zahltag, Wechsel des Gesindes und Abschied boten erneut Grund zum Feiern. So entstanden Br\u00e4uche, die bis heute nachwirken. Historisch betrachtet ist der Elfte im Elften damit ein zweiter, kleiner Karneval.<\/p>\n<p>Erst im 20. Jahrhundert wurden der 11. November und der Karneval im Fr\u00fchjahr miteinander verbunden. Die vorweihnachtliche Fastenzeit wird vom katholischen Kirchenrecht seit 1917 nicht mehr verlangt; in der Russisch-Orthodoxen Kirche wird sie als Philippus-Fastenzeit bis heute praktiziert.<\/p>\n<h2>Ein Narr mit Haltung<\/h2>\n<p>Am Aschermittwoch wird der Hoppeditz unter gro\u00dfem Jammern und Wehklagen im Garten des D\u00fcsseldorfer Stadtmuseums einge\u00e4schert und symbolisch zu Grabe getragen. Die Jecken tragen zum Zeichen ihrer Trauer schwarze Kleidung. Viele D\u00fcsseldorfer verabschieden ihn traditionell mit einem Leichenschmaus, dem Fischessen, in die Fastenzeit.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ist der Hoppeditz mit Till Eulenspiegel verwandt. Als Kulturfigur des D\u00fcsseldorfer Karnevals darf er mit seinen lockeren Reden auch den Finger in die Wunde legen. Genau das geh\u00f6rt zum rheinischen Karneval, der von der katholischen Kirche geschichtlich meist toleriert wurde: Man durfte aussprechen, was man dachte \u2013 und mehr noch.<\/p>\n<p>Zu beiden karnevalistischen Festen, im November und im Fr\u00fchjahr, fielen die Grenzen zwischen gesellschaftlichen Schichten. Gemeinsam wurde ausgelassen gefeiert \u2013 so, wie es in den karnevalistischen Hochburgen bis heute geschieht.<\/p>\n<h2>Hoppeditz und St. Martin<\/h2>\n<p>Zur rheinischen Lebensart geh\u00f6rt es, die Feste zu feiern, wie sie fallen. W\u00e4hrend am Morgen mit viel Trubel die Session er\u00f6ffnet wird, reicht der Hoppeditz am Abend den Staffelstab an St. Martin weiter. Auch dem einstigen Bischof Martin von Tours geh\u00f6rt dieser besondere Tag. Der bescheidene und mildt\u00e4tige Heilige lebte im vierten Jahrhundert nach Christus. Ber\u00fchmt wurde vor allem die Geschichte, wie er als junger Mann von 18 Jahren seinen Mantel teilte, um einem Bed\u00fcrftigen zu helfen.<\/p>\n<p>Diese Szene wird am 11. November vielerorts nachgestellt. Kinder stehen mit ihren oft selbst gebastelten Laternen dabei und erinnern an die Lichterumz\u00fcge, die fr\u00fcher am Grab des St. Martin veranstaltet wurden. So schlie\u00dft sich der Kreis: Am Ende des b\u00e4uerlichen Jahres entz\u00fcndeten die Menschen gro\u00dfe Feuer, dankten f\u00fcr die Ernte und begegneten dem Winter mit Licht und W\u00e4rme \u2013 bevor die vorweihnachtliche Fastenzeit ohne Fleisch begann.<\/p>\n<h2>Denkm\u00e4ler und Name<\/h2>\n<p>1841 errichteten renommierte K\u00fcnstler wie Andreas Achenbach, Wilhelm Camphausen und Emanuel Leutze dem Hoppeditz ein eigenes Denkmal am heutigen Carlsplatz, dem damaligen \u201eHoppedizplatz\u201c. Das Denkmal stand dort bis 1860.<\/p>\n<p>Seit 2008 gibt es wieder ein Hoppeditz-Denkmal. Der K\u00fcnstler Bert Gerresheim gestaltete es f\u00fcr das Haus des Karnevals, in dem sich sowohl die Gesch\u00e4ftsstelle des Comitee D\u00fcsseldorfer Carneval als auch das D\u00fcsseldorfer Karnevalsmuseum befinden.<\/p>\n<p>\u00dcber die Herkunft des Namens Hoppeditz gibt es unterschiedliche Theorien. Eine f\u00fchrt ihn auf \u201eHippedotz\u201c zur\u00fcck: Hipp steht f\u00fcr Ziege, Dotz f\u00fcr Murmel. Als wahrscheinlicher gilt jedoch eine andere Erkl\u00e4rung. Im Rheinischen bedeutet hoppe \u201eh\u00fcpfen\u201c, Ditz steht f\u00fcr Knirps oder Kind. Hoppeditz l\u00e4sst sich demnach als \u201eh\u00fcpfendes Kind\u201c \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zugleitung-duesseldorf.de\/index.php\/karneval-duesseldorf\/\">Mehr \u00fcber Karneval in D\u00fcsseldorf<\/a> \u00b7 <a href=\"https:\/\/zugleitung-duesseldorf.de\/index.php\/rosenmontag\/\">Rosenmontag und kommende Termine<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoppeditz-Erwachen: Der D\u00fcsseldorfer Hoppeditz erwacht traditionell am 11. November um 11:11 Uhr vor dem Rathaus. Damit beginnt die neue Karnevalssession. Der Hoppeditz ist die fiktive Figur des D\u00fcsseldorfer Karnevals \u2013 ein Erzschelm, der mit scharfem Blick, Humor und klaren Worten den Beginn der Session markiert. Wenn der Hoppeditz erwacht Am Martinstag, dem 11. 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