{"id":140,"date":"2018-07-26T08:08:24","date_gmt":"2018-07-26T06:08:24","guid":{"rendered":"http:\/\/zl4you.de\/?page_id=140"},"modified":"2019-02-02T18:17:05","modified_gmt":"2019-02-02T17:17:05","slug":"hoppeditz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zugleitung-duesseldorf.de\/index.php\/hoppeditz\/","title":{"rendered":"Hoppeditz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hoppeditz, eine fiktive Figur des D\u00fcsseldorfer Karnevals, war und ist ein D\u00fcsseldorfer Erzschelm<\/strong><\/p>\n<p>Der Hoppeditz, jeweils verk\u00f6rpert von einem renommierten Karnevalisten, wird allj\u00e4hrlich mit dem Beginn der Karnevalszeit am Martinstag, dem 11. November, um 11 Uhr 11 zum Leben erweckt. Der D\u00fcsseldorfer Erzschelm erwacht zum Leben und h\u00e4lt in einem Senftopf vor dem Reiterstandbild des einstigen Kurf\u00fcrsten Jan Wellem eine \u201eEr\u00f6ffnungsrede\u201c, in der er kein Blatt vor den Mund nimmt, zur neuen Karnevalssession, die vom jeweiligen Oberb\u00fcrgermeister vom Rathausbalkon aus erwidert wird. In vielen St\u00e4dten des Ruhrgebietes finden am 11. November, oder auch ein paar Tage sp\u00e4ter, die ersten Veranstaltungen der Jecken statt. In K\u00f6ln treffen sich die Narren auf dem Alten Markt und begr\u00fc\u00dfen um 11.11 Uhr die Session \u2013 mit einer ausgelassenen Feier und viel Musik.<\/p>\n<p>Doch der Tag, der heute Startschuss f\u00fcr die f\u00fcnfte Jahreszeit ist, wurde erst im 20. Jahrhundert zu dem, was er heute ist: ein ausgelassenes Fest f\u00fcr alle Narren.<br \/>\nDie christliche Tradition sieht eigentlich zwei Fastenzeiten vor. Die eine, zu Ostern, ist heute noch von Bedeutung. Eine zweite fand vierzig Tage vor Weihnachten statt. Sie begann nach dem elften November. Und bevor man vieles nicht mehr essen durfte, wurde noch einmal so richtig geschlemmt. Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Brauch, am letzten Tag vor der Fastenzeit, dem Martinstag, eine Gans zu essen. Denn danach war der Fleischkonsum verboten, worauf das Wort Karneval immer noch hinweist. Es wird vermutet, dass der Begriff sich auf das lateinische \u201eCarne levare\u201c bezieht, was so viel bedeutet wie \u201eFleisch wegnehmen\u201c. Da man auch auf anderes, wie gr\u00f6\u00dfere Mengen Fett, verzichten musste, geh\u00f6rte auch Fettgebackenes, wie Schmalzgeb\u00e4ck, zum Speiseplan dieses Tages.<\/p>\n<p>In der Fastenzeit ist auch das Feiern und Tanzen tabu. Ein weiterer Grund f\u00fcr die Menschen, ein letztes Fest zu veranstalten, bevor der Trauermonat November so richtig beginnt. Im Mittelalter war der 11. November zudem der Endtermin des b\u00e4uerlichen Jahres. Jetzt war Zahltag, jetzt wechselte das Gesinde. Ein Abschied, der wieder Grund zum Feiern war. Schon damals entstanden Br\u00e4uche, die es bis heute gibt. Und so ist der Elfte im Elften historisch betrachtet eigentlich ein zweiter, kleiner Karneval. Erst im 20. Jahrhundert wurden der 11. November und der Karneval im Fr\u00fchjahr miteinander verbunden. Die vorweihnachtliche Fastenzeit wird seit 1917 vom katholischen Kirchenrecht nicht mehr verlangt. In der Russisch-Orthodoxen-Kirche aber wird sie als \u201ePhilippus-Fastenzeit\u201c bis heute praktiziert.<\/p>\n<p>Am Aschermittwoch wird der Hoppeditz unter gro\u00dfem Jammern und Wehklagen im Garten des D\u00fcsseldorfer Stadtmuseums einge\u00e4schert und symbolisch zu Grabe getragen. Zum Zeichen ihrer Trauer tragen die Jecken dabei schwarze Kleidung. Traditionell verabschieden ihn viele D\u00fcsseldorfer zudem mit einem Leichenschmaus (Fischessen) in die Fastenzeit.<\/p>\n<p>Der Hoppeditz war m\u00f6glicherweise mit Till Eulenspiegel verwandt, ist aber nicht nur deshalb die Kulturfigur des D\u00fcsseldorfer Karnevals, die mit ihren lockeren Reden auch mal den Finger in die Wunde legt. Genau das ist ein Merkmal des rheinischen Karnevals, der von der katholischen Kirche in der Geschichte meist toleriert wurde. Man durfte aussprechen, was man dachte. Mehr noch. Zu beiden karnevalistischen Festen, im November und im Fr\u00fchjahr, fielen die Grenzen, die die gesellschaftlichen Schichten trennten, weg. Gemeinsam wurde ausgelassen gefeiert. So, wie es in den karnevalistischen Hochburgen heute noch der Fall ist.<\/p>\n<p>Zur rheinischen Lebensart geh\u00f6rt es, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Und w\u00e4hrend morgens mit viel Trubel die Session er\u00f6ffnet wird, reicht am Abend der Hoppeditz den Staffelstab weiter an St. Martin. Denn auch dem einstigen Bischof Martin von Tours geh\u00f6rt dieser besondere Tag. Der bescheidene und mildt\u00e4tige Heilige lebte im vierten Jahrhundert nach Christus. Vor allem die Geschichte, wie er als junger Mann von 18 Jahren seinen Mantel teilte, um einem Bed\u00fcrftigen zu helfen, machte ihn popul\u00e4r. Diese Szene wird am 11. November an vielen Orten nachgestellt. Um ihn herum stehen Kinder mit oft selbst gebastelten Laternen, die bis heute daran erinnern, dass die Menschen fr\u00fcher am Grab des St. Martin Lichterumz\u00fcge veranstalteten. Und hier schlie\u00dft sich auch der Kreis: Die Menschen entfachten gro\u00dfe Feuer, als sie am Ende des b\u00e4uerlichen Jahres miteinander feierten. Man dankte f\u00fcr das Erntejahr und trat dem Winter mit gro\u00dfen, brennenden Licht- und W\u00e4rmequellen entgegen, bevor dann die Zeit der Entbehrungen anstand, die vorweihnachtliche Fastenzeit \u2013 ganz ohne Fleisch.<\/p>\n<p>1841 wurde dem Hoppeditz ein eigenes Denkmal am heutigen Carlsplatz (ehemals \u201eHoppedizplatz\u201c) in D\u00fcsseldorf von solch renommierten K\u00fcnstlern wie Andreas Achenbach, Wilhelm Camphausen und Emanuel Leutze errichtet. Das Denkmal stand bis 1860.<\/p>\n<p>Seit 2008 steht wieder ein Hoppeditz-Denkmal, gestaltet vom K\u00fcnstler Bert Gerresheim, diesmal am Haus des Karnevals, welches sowohl die Gesch\u00e4ftsstelle des \u201eComitee D\u00fcsseldorfer Carneval\u201c als auch das D\u00fcsseldorfer Karnevalsmuseum beherbergt.<\/p>\n<p>Es gibt unterschiedliche Theorien \u00fcber die Herkunft des Namens Hoppeditz. Eine von diesen f\u00fchrt den Namen auf die Bezeichnung Hippedotz zur\u00fcck. Dabei stehen die einzelnen Namensbestandteile f\u00fcr Ziege (Hipp) und Murmel (Dotz). Als wahrscheinlicher wird allerdings eine andere Variante angesehen. So steht das Wort hoppe im Rheinischen f\u00fcr h\u00fcpfen und das Wort Ditz f\u00fcr Knirps bzw. Kind. So kann der Hoppeditz mit \u201eh\u00fcpfendes Kind\u201c \u00fcbersetzt werden.<\/p>\n<p>Quelle:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/nrz\/staedte\/duesseldorf\/wie-die-narren-und-jecken-zu-ihren-tollen-tagen-kamen-id8647399.html\">http:\/\/www.derwesten.de\/nrz\/staedte\/duesseldorf\/wie-die-narren-und-jecken-zu-ihren-tollen-tagen-kamen-id8647399.html<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hoppeditz\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hoppeditz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoppeditz, eine fiktive Figur des D\u00fcsseldorfer Karnevals, war und ist ein D\u00fcsseldorfer Erzschelm Der Hoppeditz, jeweils verk\u00f6rpert von einem renommierten Karnevalisten, wird allj\u00e4hrlich mit dem Beginn der Karnevalszeit am Martinstag, dem 11. November, um 11 Uhr 11 zum Leben erweckt. 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