Hoppeditz Düsseldorf: Erwachen und Brauchtum

Hoppeditz-Erwachen: Der Düsseldorfer Hoppeditz erwacht traditionell am 11. November um 11:11 Uhr vor dem Rathaus. Damit beginnt die neue Karnevalssession.

Der Hoppeditz ist die fiktive Figur des Düsseldorfer Karnevals – ein Erzschelm, der mit scharfem Blick, Humor und klaren Worten den Beginn der Session markiert.

Wenn der Hoppeditz erwacht

Am Martinstag, dem 11. November, wird der Hoppeditz alljährlich um 11:11 Uhr zum Leben erweckt. Ein renommierter Karnevalist verkörpert ihn und steigt aus seinem Senftopf vor dem Reiterstandbild des Kurfürsten Jan Wellem. In seiner Eröffnungsrede nimmt er die neue Karnevalssession aufs Korn und spart dabei nicht mit deutlichen Worten. Vom Rathausbalkon antwortet der jeweilige Oberbürgermeister.

Auch in vielen Städten des Ruhrgebiets beginnen die ersten Veranstaltungen der Jecken am 11. November oder wenige Tage später. In Köln versammeln sich die Narren auf dem Alten Markt und begrüßen die Session um 11:11 Uhr mit Musik und ausgelassener Feier.

Der 11. November und die Fastenzeit

Der Tag, der heute als Startschuss für die fünfte Jahreszeit gilt, wurde erst im 20. Jahrhundert zu einem Fest für alle Narren. Die christliche Tradition kannte ursprünglich zwei Fastenzeiten: die bis heute bedeutsame Fastenzeit vor Ostern und eine weitere, vierzigtägige Zeit vor Weihnachten. Sie begann nach dem 11. November.

Bevor viele Speisen nicht mehr erlaubt waren, wurde noch einmal ausgiebig geschlemmt. Das erklärt auch den Brauch, am Martinstag Gans zu essen. Danach war Fleischkonsum untersagt – darauf weist bis heute das Wort Karneval hin. Der Begriff wird häufig vom lateinischen „Carne levare“ abgeleitet, also „Fleisch wegnehmen“. Weil auch auf größere Mengen Fett verzichtet werden sollte, gehörte Fettgebackenes wie Schmalzgebäck zu den Speisen dieses Tages.

Während der Fastenzeit waren Feiern und Tanzen tabu. Umso größer war der Anlass, vor dem beginnenden Trauermonat November noch einmal ein Fest zu feiern. Im Mittelalter markierte der 11. November außerdem das Ende des bäuerlichen Jahres: Zahltag, Wechsel des Gesindes und Abschied boten erneut Grund zum Feiern. So entstanden Bräuche, die bis heute nachwirken. Historisch betrachtet ist der Elfte im Elften damit ein zweiter, kleiner Karneval.

Erst im 20. Jahrhundert wurden der 11. November und der Karneval im Frühjahr miteinander verbunden. Die vorweihnachtliche Fastenzeit wird vom katholischen Kirchenrecht seit 1917 nicht mehr verlangt; in der Russisch-Orthodoxen Kirche wird sie als Philippus-Fastenzeit bis heute praktiziert.

Ein Narr mit Haltung

Am Aschermittwoch wird der Hoppeditz unter großem Jammern und Wehklagen im Garten des Düsseldorfer Stadtmuseums eingeäschert und symbolisch zu Grabe getragen. Die Jecken tragen zum Zeichen ihrer Trauer schwarze Kleidung. Viele Düsseldorfer verabschieden ihn traditionell mit einem Leichenschmaus, dem Fischessen, in die Fastenzeit.

Möglicherweise ist der Hoppeditz mit Till Eulenspiegel verwandt. Als Kulturfigur des Düsseldorfer Karnevals darf er mit seinen lockeren Reden auch den Finger in die Wunde legen. Genau das gehört zum rheinischen Karneval, der von der katholischen Kirche geschichtlich meist toleriert wurde: Man durfte aussprechen, was man dachte – und mehr noch.

Zu beiden karnevalistischen Festen, im November und im Frühjahr, fielen die Grenzen zwischen gesellschaftlichen Schichten. Gemeinsam wurde ausgelassen gefeiert – so, wie es in den karnevalistischen Hochburgen bis heute geschieht.

Hoppeditz und St. Martin

Zur rheinischen Lebensart gehört es, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Während am Morgen mit viel Trubel die Session eröffnet wird, reicht der Hoppeditz am Abend den Staffelstab an St. Martin weiter. Auch dem einstigen Bischof Martin von Tours gehört dieser besondere Tag. Der bescheidene und mildtätige Heilige lebte im vierten Jahrhundert nach Christus. Berühmt wurde vor allem die Geschichte, wie er als junger Mann von 18 Jahren seinen Mantel teilte, um einem Bedürftigen zu helfen.

Diese Szene wird am 11. November vielerorts nachgestellt. Kinder stehen mit ihren oft selbst gebastelten Laternen dabei und erinnern an die Lichterumzüge, die früher am Grab des St. Martin veranstaltet wurden. So schließt sich der Kreis: Am Ende des bäuerlichen Jahres entzündeten die Menschen große Feuer, dankten für die Ernte und begegneten dem Winter mit Licht und Wärme – bevor die vorweihnachtliche Fastenzeit ohne Fleisch begann.

Denkmäler und Name

1841 errichteten renommierte Künstler wie Andreas Achenbach, Wilhelm Camphausen und Emanuel Leutze dem Hoppeditz ein eigenes Denkmal am heutigen Carlsplatz, dem damaligen „Hoppedizplatz“. Das Denkmal stand dort bis 1860.

Seit 2008 gibt es wieder ein Hoppeditz-Denkmal. Der Künstler Bert Gerresheim gestaltete es für das Haus des Karnevals, in dem sich sowohl die Geschäftsstelle des Comitee Düsseldorfer Carneval als auch das Düsseldorfer Karnevalsmuseum befinden.

Über die Herkunft des Namens Hoppeditz gibt es unterschiedliche Theorien. Eine führt ihn auf „Hippedotz“ zurück: Hipp steht für Ziege, Dotz für Murmel. Als wahrscheinlicher gilt jedoch eine andere Erklärung. Im Rheinischen bedeutet hoppe „hüpfen“, Ditz steht für Knirps oder Kind. Hoppeditz lässt sich demnach als „hüpfendes Kind“ übersetzen.

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