Aufgaben

„Was macht die Zugleitung eigentlich?“ Diese Frage hören wir oft. Mit Zügen der Deutschen Bahn oder Lastzügen haben wir nichts zu tun. Unsere Aufgabe ist es, Umzüge sicher, verlässlich und mit viel Erfahrung zu organisieren – allen voran den Düsseldorfer Rosenmontagszug.

Die Arbeit der Zugleitung reicht dabei weit über Rosenmontag hinaus. Beim NRW-Fest 2007 in Düsseldorf und 2008 in Wuppertal leitete die Zugleitung Düsseldorf die Umzüge maßgeblich. Die damals bereits mehr als 45-jährige Erfahrung floss erfolgreich ein; Regierungspräsident und Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen wollten deshalb bei den NRW-Festen im Land weiterhin auf diese Mitwirkung setzen.

Die Planung beginnt nach den Sommerferien

Sobald das Motto der neuen Session feststeht, beginnen die Zeichner der Vereine mit den Entwürfen für ihre Rosenmontagswagen. In der Regel orientieren sich die Motive am Sessionsmotto; Ausnahmen sind etwa bei Vereinsjubiläen möglich. Die Entwürfe müssen bis zu einem festgelegten Termin beim Comitee Düsseldorfer Carneval eingereicht werden. Danach beginnt die Arbeit der Wagenbauer.

Die Plateauwagen gehören in der Regel den Vereinen. Ihre festen Aufbauten bleiben über mehrere Jahre bestehen. In der Wagenbauhalle stehen sie an den Plätzen, die die Zugleitung zuvor festgelegt hat. Dabei achten wir auf genügend Abstand zwischen den Wagen, damit beim Bau oder bei Begehungen kein Nachbarwagen beschädigt wird.

Bei unseren freiwilligen Kontrollgängen schauen wir auch auf die Fahrzeuge. So lassen sich plötzlich auftretende Schäden früh erkennen und den Wagenbauern mitteilen. Diese Kontrollen sind keine Pflicht, haben aber immer wieder geholfen, Schwierigkeiten schon im Vorfeld zu vermeiden.

Platz, Maße und Reihenfolge

Ein zentraler Punkt ist die Prüfung der Maße. Breite und Höhe der Rosenmontagswagen müssen stimmen, denn der Zugweg führt unter Brücken und Oberleitungen der Straßenbahn hindurch; enge Straßen erschweren die Planung zusätzlich. Die Sicherheit der Menschen auf den Wagen hat dabei oberste Priorität. Gemeinsam mit dem Wagenbauleiter lässt sich die Kontrolle der Baumaße in der Regel schnell und unkompliziert erledigen.

Nachdem ein Gremium die Reihenfolge der Rosenmontagswagen festgelegt hat, werden die Wagen so aufgestellt, dass sie am Rosenmontag mit möglichst wenig Zeitaufwand aus der Halle gezogen werden können. Eine feste Zugnummer haben nur der Prinzenwagen und seine beiden Garden. Zeit ist am „höchsten Feiertag der Karnevalisten“ ein entscheidender Faktor.

In den letzten Tagen vor Rosenmontag werden fast alle Wagen aus der Halle geholt und nach einem ausgefeilten Plan auf ihren späteren Standplatz gebracht. Das kann 16 Stunden oder länger dauern. Bei dieser und vielen weiteren Aufgaben nutzt die Zugleitung die Möglichkeiten der EDV.

Rosenmontag: jeder Handgriff sitzt

Für die Mitglieder der Zugleitung ist Rosenmontag Großkampftag. Der Tag beginnt in der Regel um 6 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück und dem letzten Blick in die Einsatzpläne. Änderungen werden besprochen, denn jedes Mitglied hat ein eigenes Aufgabengebiet.

Die Tore des Geländes werden besetzt, damit nur diejenigen zu den Wagen gelangen, die dort tatsächlich Aufgaben für ihren Verein wahrnehmen. Zugmaschinen werden gesammelt und nach Plan an die Rosenmontagswagen angehängt. Es folgen die Ausgabe der Bagagewagen, die Verpflegung für die Treckerfahrer sowie das Herausziehen der Vereins- und Mottowagen.

In kleinen Gruppen begleiten wir die Wagen zu ihren Aufstellorten und weisen ihnen dort den endgültigen Platz zu. Während Zuschauer die Wagen aus der Nähe betrachten, Musikgruppen sich einspielen und Vereinsmitglieder singend und tanzend auf den Start warten, bleibt für die Zugleitung kurz Zeit zum Durchatmen – und für viele Fragen aus dem Publikum. Dann kommt die Information: „Et jeht loss“.

Wenn der „Zoch“ läuft

Während des Zuges stimmt die Zugleitung das Tempo auf die Vorgaben des Fernsehens ab, denn der „Zoch“ wird live übertragen. Zuschauer, die Zugmaschinen blockieren, müssen mit Fingerspitzengefühl an den Straßenrand gedrängt werden. Zugmaschinen werden durch die Kurven geführt; ein Gespann aus Trecker und Wagen kann 25 Meter und länger sein. Entscheidend ist, alles im Blick zu behalten, was die Sicherheit der Zuschauer oder den reibungslosen Ablauf gefährden könnte.

Eine Begebenheit aus früheren Jahren zeigt, wie wichtig Erfahrung und schnelles Handeln sind: Ein Treckerfahrer bog auf die Königsallee ein, sah vor lauter Menschen keine Straße mehr und stoppte. Mit den Worten „Da fahre ich nicht durch“ verließ er voller Panik den Trecker. Der Gruppenführer der Zugleitung stieg ein und fuhr weiter, bis ein Ersatzfahrer übernehmen konnte. Eine einfache Lösung – mit großer Wirkung für den weiteren Zugverlauf.

Der „Zoch“ fährt mit etwa 2,2 km/h und benötigt im Normalfall rund zwei Stunden. Danach beginnt die Auflösung, erneut eine Situation, in der Erfahrung und Fingerspitzengefühl besonders gefragt sind. Die Mitglieder der Gesellschaftswagen müssen diese bis auf drei Personen verlassen. Das kann unterschiedlich lange dauern, während die nächsten Wagen unaufhörlich näher kommen.

Auflösung und Rückkehr

Musikgruppen werden seitlich aus dem Zugweg geführt, alle Zugteilnehmer vom Rosenmontagszugleiter verabschiedet. Die nun leeren Gesellschafts-, Motto- und Bagagewagen fahren zurück zur Wagenbauhalle und werden dort auf festgelegte Plätze dirigiert. Dort lassen sich beispielsweise Musikanlagen ab- und ausbauen. Auf dem Gelände herrscht große Hektik – die Mitglieder der Zugleitung lassen sich davon in der Regel nicht anstecken.

Nach dem Abriss der Wagen am Dienstag und Mittwoch sowie dem Umzug in Mönchengladbach werden die Wagen für den nächsten Bauabschnitt aus der Halle geholt und wieder an ihre vorgesehenen Positionen rangiert.

Gegen 19:30 Uhr stehen die Gesellschaftswagen wieder in der Halle oder im Zelt, die Bagagewagen sind verschlossen in Reih und Glied aufgestellt, die Hallentore geschlossen: Feierabend. Etwa 15 Stunden Stress, Freude, Spaß und Ärger liegen hinter allen Beteiligten. Im gemeinsamen Treff wird bei Kaffee, Bier oder etwas Hochprozentigem abgeschaltet. Der Vorsitzende bedankt sich für die geleistete Arbeit; auch der Dank und die Einschätzung des Rosenmontagszugleiters sind der Zugleitung wichtig.

Warum tun Menschen sich diesen Einsatz an, damit andere Freude haben? Vielleicht lässt sich das nicht vollständig in Worte fassen. Die Gesichter zeigen jedoch: Auf ihre Art sind sie glücklich.

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