Schötzefess em Veedel

Schötzefess em Veedel

20. Mai 2026 ZL-News 0
Gerne mal lesen...
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Gerne mal lesen…
…wir von D4Y machen uns immer wieder Gedanken rund um das Thema Schützenwesen im Rheinland, ganz speziell über unsere Heimatstadt „Düsseldorf“. Und so ist der nachfolgende Text von „Sebi Sebastian T.“ – 2. Baas der ABG e.V., außerdem Webmaster diverser Homepages, guter Freund, Partner und Mitgründer der Pittermanns Scholl und mir , „Frank E.“ entstanden!
Viel Spaß beim Lesen! 🫵
BRAUCHTUM · EHRENAMT · DÜSSELDORFER IDENTITÄT
Mehr als Marsch und Kirmes: Warum Schützen das Rheinland zusammenhalten
Wer das Schützenwesen nur am Festzug misst, sieht nur die Oberfläche. Hinter Fahnen, Uniformen und Musik steht eine jahrhundertealte Kultur des Ehrenamts, der Nachbarschaft und der Verantwortung.
Wenn im Rheinland die Schützen aufziehen, schauen viele zuerst auf das Offensichtliche: Uniformen, Fahnen, Musik, Festzelt, Kirmes, Königspaar. Für manche ist das Brauchtum, für andere ein Anachronismus. Doch wer ehrlich hinsieht, erkennt schnell: Das Schützenfest ist nicht der Zweck dieser Vereine. Es ist nur ihr sichtbarster Moment.
Denn das eigentliche Schützenwesen findet an den vielen Tagen statt, an denen keine Kapelle spielt, kein Festzug durch die Straßen zieht und keine Scheinwerfer auf die Königspaare gerichtet sind. Es findet dort statt, wo Menschen Stühle schleppen, Jugendliche begleiten, Senioren besuchen, Spenden sammeln, Veranstaltungen organisieren, Tradition erklären, Nachbarschaft leben und Verantwortung übernehmen. Genau dort zeigt sich, was diese Gemeinschaften wirklich sind: ehrenamtliche Rückgrate ihrer Viertel.
Eine Tradition, die aus Gemeinschaft geboren wurde
Gerade im Rheinland reicht die Geschichte vieler Schützenvereine tief in die Vergangenheit. In Düsseldorf-Bilk wird diese Tradition seit 1445 gelebt. Das ist keine austauschbare Jahreszahl für ein Vereinswappen, sondern ein historischer Auftrag. Wer über fast sechs Jahrhunderte besteht, hat Kriege, Seuchen, politische Umbrüche, Armut, Wiederaufbau, gesellschaftliche Brüche und neue Generationen überstanden. So etwas überlebt nicht, wenn es nur um ein Fest geht.
Die alten Bruderschaften entstanden aus einem Gedanken, der heute moderner klingt denn je: Menschen im Viertel stehen füreinander ein. Sie schützen nicht nur mit Waffen oder Formationen, sondern mit Zusammenhalt. Sie kümmern sich um die Gemeinschaft, begleiten einander in schweren Zeiten, bewahren Erinnerung und geben Orientierung. Aus dieser Idee wurde Brauchtum. Aus Brauchtum wurde Identität. Und aus Identität wurde eine Form von Heimat, die man nicht kaufen, nicht verordnen und nicht künstlich inszenieren kann.
Das Schützenfest ist nicht der Zweck des Vereins. Es ist der Moment, in dem sichtbar wird, was das ganze Jahr über gelebt wird.
Das ganze Jahr im Einsatz
Wer Schützen nur am Festsonntag sieht, verpasst den größten Teil der Arbeit. Wochen und Monate vorher wird geplant, organisiert, abgestimmt, aufgebaut, repariert, telefoniert, eingeladen, gerechnet und geholfen. Nach dem Fest wird wieder abgebaut, aufgeräumt, ausgewertet und weitergemacht. Dazwischen liegen Versammlungen, Trainingsabende, Jugendtermine, Gedenkveranstaltungen, Seniorenfeiern, caritative Aktionen und unzählige stille Dienste, die kein großes Plakat bekommen.
In einer Zeit, in der oft beklagt wird, dass Menschen sich weniger engagieren, weniger verbindlich sind und Vereine um Nachwuchs kämpfen, halten Schützenvereine etwas zusammen, das für Stadtteile unbezahlbar ist: verlässliche Strukturen. Da ist jemand, der die Halle aufschließt. Jemand, der sich um die Jugend kümmert. Jemand, der den älteren Mitgliedern zuhört. Jemand, der beim Trauerfall organisiert. Jemand, der einfach da ist, wenn angepackt werden muss.
Dieses Ehrenamt ist selten spektakulär. Aber es ist wertvoll. Es ist die Sorte Arbeit, die erst auffällt, wenn sie fehlt. Ein Stadtteil ohne solche Vereine wäre ärmer, kälter und anonymer.
Jugend, Werte und Verantwortung
Besonders deutlich wird der Wert des Schützenwesens in der Jugendarbeit. Kinder und Jugendliche lernen dort nicht nur, Teil einer Gruppe zu sein. Sie lernen Verlässlichkeit, Respekt, Disziplin, Rücksichtnahme und Verantwortung. Sie erleben, dass Gemeinschaft mehr ist als ein Like, ein Chat oder ein kurzer Moment im Netz. Sie werden gesehen. Sie dürfen mitmachen. Sie bekommen Aufgaben. Sie wachsen hinein in eine Tradition, ohne dass sie ihre eigene Zeit verleugnen müssen.
Das ist gerade heute wichtig. Viele junge Menschen suchen Zugehörigkeit, Orientierung und echte Begegnung. Im Schützenverein treffen sie nicht nur Gleichaltrige, sondern auch ältere Generationen. Dort entstehen Gespräche, die sonst vielleicht nie stattfinden würden. Dort wird Geschichte nicht trocken erklärt, sondern erlebt. Dort versteht man irgendwann, warum eine Fahne nicht einfach Stoff ist, warum ein Verein mehr sein kann als ein Freizeitangebot und warum Heimat nicht engstirnig sein muss, sondern verbindend wirken kann.
Seniorenarbeit, Gedenken und Nachbarschaft
Auch die ältere Generation findet im Schützenwesen mehr als Erinnerung an vergangene Zeiten. Sie findet Zugehörigkeit. Viele Vereine pflegen Seniorenarbeit, besuchen Mitglieder, organisieren Feiern, halten Kontakt und sorgen dafür, dass Menschen nicht aus dem Blick geraten. Gerade in einer Großstadt wie Düsseldorf ist das ein Wert, den man nicht unterschätzen sollte.
Hinzu kommt die Erinnerungskultur. Totengedenken, Fahnen, Chroniken, alte Bilder, Namen und Geschichten halten lebendig, was ein Viertel geprägt hat. Das ist keine rückwärtsgewandte Nostalgie. Es ist das Bewusstsein dafür, dass Gegenwart nicht im luftleeren Raum entsteht. Wer weiß, woher er kommt, kann besser entscheiden, wohin er gehen will.
Sport, Konzentration und Inklusion
Auch der sportliche Bereich wird häufig unterschätzt. Schießsport bedeutet nicht Draufgängertum, sondern Ruhe, Konzentration, Körperkontrolle, Verantwortung und Präzision. Er verlangt Disziplin und klare Regeln. In vielen Vereinen ist dieser Sport generationsübergreifend möglich und eröffnet auch Menschen mit Einschränkungen Zugänge, die in anderen Sportarten schwieriger sind.
Damit ist das Schützenwesen eben nicht nur Brauchtum, sondern auch moderner Vereinssport. Es verbindet Tradition mit Training, Gemeinschaft mit Leistung, Konzentration mit Fairness. Wer hier nur alte Uniformen sieht, übersieht die Menschen, die dahinter mit Ernsthaftigkeit, Können und Leidenschaft ihrem Sport nachgehen.
Warum das Fest trotzdem wichtig ist
Natürlich gehört das Schützenfest dazu. Natürlich darf gefeiert werden. Ein Verein, der das ganze Jahr überarbeitet, darf auch einen Moment haben, in dem er sichtbar wird, sich selbst feiert und den Stadtteil einlädt. Das Fest ist kein oberflächlicher Selbstzweck. Es ist Begegnung. Es ist ein offenes Fenster in eine Gemeinschaft. Es bringt Menschen auf die Straße, die sonst vielleicht kaum miteinander sprechen würden.
Wenn Musik durch das Viertel zieht, wenn Fahnen getragen werden, wenn Jung und Alt zusammenstehen, dann ist das mehr als Folklore. Es ist ein Zeichen: Dieses Viertel lebt. Diese Menschen übernehmen Verantwortung füreinander. Diese Tradition hat nicht nur Vergangenheit, sondern Gegenwart.
Ein Verein von 1445 ist kein Partykomitee. Er ist ein Stück lebendige Stadtgeschichte.
Wer kritisiert, sollte zuerst hinschauen
Kritik an Traditionen ist erlaubt. Sie kann sogar wichtig sein. Aber sie sollte fair sein. Wer Schützenvereine pauschal auf Marschieren, Uniformen und Feiern reduziert, macht es sich zu einfach. Man muss nicht jede Form mögen, um ihren gesellschaftlichen Wert anzuerkennen. Man muss nicht selbst Schütze sein, um zu verstehen, dass hier Menschen Zeit, Kraft und Herzblut investieren, ohne dafür Applaus zu erwarten.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob das Schützenwesen noch in unsere Zeit passt. Die bessere Frage lautet: Welche Gemeinschaften schaffen es heute überhaupt noch, Menschen über Generationen hinweg zusammenzubringen, ehrenamtlich zu aktivieren, Geschichte zu bewahren, Jugendlichen Verantwortung zu geben und im Stadtteil präsent zu sein? Wer diese Frage ehrlich stellt, kommt am Schützenwesen nicht vorbei.
Ein Appell an Düsseldorf
Düsseldorf lebt von seinen Vierteln. Von Bilk bis Derendorf, von Gerresheim bis Benrath, von Hamm bis Kaiserswerth: Überall sind es Menschen, die Identität schaffen. Nicht Gebäude allein machen eine Stadt lebendig, sondern Vereine, Nachbarschaften, Ehrenamtliche, Brauchtumsträger und all jene, die sagen: Wir kümmern uns.
Die Schützen gehören zu diesen Menschen. Sie tragen Fahnen, ja. Sie feiern, ja. Sie marschieren, ja. Aber sie tragen vor allem Verantwortung. Sie feiern Gemeinschaft. Und sie marschieren nicht an der Gesellschaft vorbei, sondern mitten in sie hinein.
Deshalb verdient diese Tradition keinen schnellen Spott, sondern einen zweiten Blick. Vielleicht sogar Respekt. Denn hinter jedem Festzug stehen Menschen, die das ganze Jahr über dafür sorgen, dass Heimat nicht nur ein Wort bleibt. Sondern etwas, das man erlebt, weitergibt und gemeinsam trägt.
Wertschöpfung
Insgesamt engagieren sich in den Schützenvereinen Deutschlands Mitglieder in über 273.000 ehrenamtlichen Positionen, davon rund 155.000 auf der Vorstandsebene und knapp 118.000 auf der Ausführungsebene (z. B. Trainer, Übungsleiter, Schieds- und Kampfrichter).
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Im Durchschnitt ist jeder Ehrenamtliche 17,7 Stunden pro Monat für seinen Verein tätig. Bundesweit ergibt sich daraus eine Arbeitsleistung von rund 4,8 Mio. Stunden, welche in den Schützenvereinen jeden Monat erbracht wird. Hieraus resultiert eine monatliche Wertschöpfung von etwa 72 Millionen €uro die durch ehrenamtliche Leistungen erbracht wird.
(Quelle: Sportentwicklungsbericht im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) und Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB))
Und hier ist der Link zu dem Song, den wir aktuell zu dem Thema produziert haben.

Schöne Grüße
Sebi T. und Frank E.
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